Ob Weizen zu Mehl oder zu Futter wird, entscheiden ein paar Zahlen aus der Getreideanalyse: Fallzahl, Protein, Kleber, Hektolitergewicht, Feuchte und Besatz. Die Mühle schaut darauf, noch bevor sie die Ware sieht. Wir zeigen, was jeder dieser Parameter genau bedeutet, woher er kommt und wie wir ihn bei uns im Griff behalten, auf einem Betrieb mit über 800 Hektar.
Warum die Mühle nach Parametern fragt und nicht nach der Sorte
Die Sorte sagt, was man erwarten darf. Die Analyse sagt, was tatsächlich im Lager liegt. Dieselbe Sorte von zwei Feldern oder aus zwei Erntezeitpunkten kann völlig unterschiedliche Werte bringen, denn über die Kornqualität entscheidet der Verlauf der Saison: die Verteilung der Niederschläge während der Kornfüllung, die Temperatur in der Abreife und die Frage, ob das Getreide vor dem Regen vom Feld gekommen ist.
Deshalb spricht man im Handel mit Backweizen in Zahlen. Der Abnehmer legt die Grenzwerte fest, wir zeigen die Analysenwerte für die konkrete Partie, und erst auf dieser Grundlage vereinbaren wir die Konditionen. Genauso arbeiten wir im Gemüse, wo wir die Qualitätskontrolle Partie für Partie führen.
Sechs Parameter, die entscheiden
| Parameter | Was er über das Korn sagt | Typischer Grenzwert für Backweizen |
|---|---|---|
| Fallzahl | Aktivität der stärkeabbauenden Enzyme, also ob das Korn ausgewachsen ist | meist ab 220 s aufwärts |
| Protein | wie viel Baustoff für den Kleber vorhanden ist, wichtig für den Teigaufgang | meist 11,5 bis 12,5 Prozent |
| Feuchtkleber | wie viel Kleber sich tatsächlich aus dem Mehl auswaschen lässt | meist ab 25 Prozent |
| Hektolitergewicht | Gleichmäßigkeit und Ausbildung des Korns, wirkt auf die Mahlausbeute | meist ab 76 kg/hl |
| Feuchte | ob sich das Korn ohne Erwärmung sicher lagern lässt | bis 14,5 Prozent |
| Besatz | wie viel Schmachtkorn, Fremdsamen und mineralischer Besatz in der Partie sind | je weniger, desto besser, die Grenzwerte legt der Abnehmer fest |
Die Grenzwerte in der Tabelle sind marktübliche Anforderungen, keine starre Norm. Jeder Abnehmer hat seine eigene Spezifikation, eine Backmühle schaut auf andere Werte als ein Nudelhersteller. Deshalb bitten wir bei einer Anfrage immer zuerst um die Zielspezifikation, nicht umgekehrt.
Die Fallzahl, der Parameter, der am schnellsten kippt
Von allen sechs kann sich die Fallzahl innerhalb weniger Tage ändern. Steht reifes Getreide im Regen auf dem Feld, wächst das Korn aus, die Enzyme legen los und der Wert fällt. Mehl aus solchem Korn ergibt klebriges Gebäck mit speckiger Krume. Rückgängig machen lässt sich das nicht mehr, es geht also allein um den Erntetermin und um das Tempo in der Ernte.
Die nasse Saison 2025 hat das sehr deutlich gezeigt. Im Juli fielen bei uns 150 bis 220 Liter Wasser pro Quadratmeter am Tag, die Entwässerungskanäle traten über die Ufer und die Felder standen unter Wasser. Unter solchen Bedingungen entscheidet allein, ob man das Wetterfenster noch erwischt.
Woher gute Parameter kommen: vom Feld, nicht aus dem Lager
Das Lager repariert nichts, es kann die Ware höchstens nicht verderben. Die Parameter entstehen früher, auf dem Feld.
- Standort. Weizen und Triticale binden wir in die Fruchtfolge mit Zwiebeln ein. Getreide nach Gemüse bekommt ein ebenes, sauberes und nährstoffreiches Feld, und das sieht man später an der Ausbildung des Korns.
- Boden. Wir arbeiten auf schwerem Marschboden in Żuławy (Werder), auf Böden mit Parametern vergleichbar mit den niederländischen Poldern. Mehr dazu schreiben wir im Beitrag über die Marschböden der Żuławy.
- Düngung. Statt einer Gabe für das ganze Feld setzen wir auf teilflächenspezifische Ausbringung, der Dünger landet also dort, wo er wirklich arbeitet. Das Protein im Korn hängt direkt davon ab, wie viel Stickstoff die Pflanze bekommen hat und wann.
- Pflanzenschutz. Wir führen den Betrieb nach den Grundsätzen der Integrierten Pflanzenproduktion. Ein gesunder, unkrautfreier Bestand bedeutet gleichmäßiges Korn statt einer Mischung aus Kleinkorn und Schmachtkorn.
- Erntetermin. Wir ernten dann, wenn es nötig ist, und nicht, wenn es gerade passt. Mit 87 Maschinen im Park können wir in ein schmales Wetterfenster fahren und vom Feld kommen, bevor der Regen einsetzt.

Was der Abnehmer zusammen mit dem Korn bekommt
Die Analyse allein ist nicht alles. Zu jeder Partie legen wir die Dokumentation dazu, die zeigt, wie dieses Korn entstanden ist. Wir haben die Zertifikate GlobalG.A.P. und GRASP, wir führen den Betrieb nach der Integrierten Pflanzenproduktion, und im Getreidehandel zählt außerdem GMP+, der Standard für die Futtermittelkette. Jede Partie prüfen wir auf Reinheit, Feuchte und Kornparameter, dazu machen wir Analysen auf Pestizidrückstände und Schwermetalle.
Bevor wir eine größere Lieferung abschließen, schicken wir ein kostenloses Muster. Der Abnehmer prüft das Korn bei sich, auf eigenen Geräten und nach eigener Spezifikation. Das ist der einfachste Weg, Streit über Parameter nach dem Abladen zu vermeiden.
Wie die Lieferung abläuft
Weizen geben wir lose oder im Big Bag heraus, je nachdem, wie der Abnehmer die Ware annimmt. Dieselbe Wahl bieten wir im Gemüse, beschrieben im Beitrag über Verpackung lose, im Big Bag oder im Sack. Den Preis kalkulieren wir auf Basis der aktuellen Marktpreise und vereinbaren ihn individuell je Partie, denn der Getreidemarkt ändert sich von Woche zu Woche.
Die Details des Angebots und die vollständige Liste dessen, was wir jeder Lieferung beilegen, haben wir auf der Seite zum Backweizen zusammengestellt.
Häufig gestellte Fragen
Welche Fallzahl wird für Backweizen verlangt?
Meist 220 Sekunden und mehr, der Grenzwert hängt aber vom Abnehmer und vom Verwendungszweck des Mehls ab. Ein niedrigerer Wert bedeutet, dass das Korn ausgewachsen ist, und Gebäck aus solchem Mehl wird klebrig. Dieser Parameter lässt sich nach der Ernte nicht mehr verbessern.
Wie viel Protein sollte Weizen für Mehl haben?
Im Handel mit Backweizen spricht man meist von 11,5 bis 12,5 Prozent, bei einem Feuchtkleber ab etwa 25 Prozent. Das Protein hängt von der Sorte, der Stickstoffdüngung und dem Verlauf der Saison ab, deshalb nennen wir es immer für die konkrete Partie.
Was bedeutet ein Hektolitergewicht von 76 kg/hl?
Das ist die Kornmasse, die in einen Hektoliter passt. Je höher sie ist, desto besser ausgebildet und gleichmäßiger das Korn und desto ergiebiger die Vermahlung. Unter dem Grenzwert bekommt die Mühle mehr Kleie und weniger Mehl, der Parameter wirkt sich also direkt auf die Bewertung der Partie aus.
Verkauft ihr Weizen auch als Futterweizen?
Ja, wir verkaufen Getreide im Großhandel und haben das GMP+-Zertifikat, das im Handel für Futterzwecke wichtig ist. Die Verwendung einer Partie legen wir nach der Analyse fest: Was nicht in die Mühle geht, ist immer noch ein vollwertiger Futterrohstoff.
Kann man vor der Bestellung ein Muster bekommen?
Ja, kostenlos. Das ist bei jeder größeren Lieferung Standard, auch beim Getreide. Es reicht, uns zu schreiben, welche Spezifikation die Ware erfüllen soll.
Sie suchen Weizen von einem Betrieb, der Analysen zeigt und nicht nur Erklärungen abgibt? Sehen Sie sich unser Weizenangebot an oder schreiben Sie uns über die Kontaktseite, wir antworten mit der konkreten Spezifikation der Partie.


