Anbau

Zwiebeln säen: Termin, Saatstärke und die Bestandesdichte, die über das Kaliber entscheidet

Wann wir Zwiebeln säen, wie wir die Saatstärke berechnen und warum die Bestandesdichte je Quadratmeter über das Kaliber für Packbetriebe entscheidet.

Agro-Malz17. August 20265 Min. Lesezeit
Fendt Traktor mit Einzelkornsämaschine und Fronttank für Dünger bei der Frühjahrsaussaat

Die Aussaat ist die einzige Entscheidung der Saison, die sich später nicht zurücknehmen lässt. Der Termin stellt den gesamten weiteren Kalender ein, und die Bestandesdichte, also wie viele Zwiebeln auf einem Quadratmeter wachsen, entscheidet zu einem großen Teil über das Kaliber, das im Herbst zum Abnehmer fährt. Wir erklären, wie wir die Zwiebelaussaat in den Żuławy planen und warum wir Körner zählen und nicht Kilogramm.

Wann wir Zwiebeln säen

Die Zwiebel führen wir aus der Saat und säen sie im zeitigen Frühjahr, meist im April. Wir richten uns nicht nach dem Datum im Kalender, sondern nach dem Zustand des Bodens: Die Erde muss so weit abgetrocknet sein, dass sie sich ohne Verschmieren bereiten lässt, und so weit erwärmt, dass die Körner gleichmäßig starten.

Auf den Marschböden der Żuławy ist das schwieriger als auf leichten Böden. Unsere Marschböden der Żuławy halten das Wasser und erwärmen sich langsamer, deshalb ist das Saatfenster manchmal schmal. Eine zu frühe Aussaat in kalten, nassen Boden gibt einen ungleichmäßigen Auflauf, und ein ungleichmäßiger Bestand rächt sich die ganze Saison: Die Pflanzen reifen unterschiedlich schnell ab, und am Ende steht ein ungleichmäßiges Kaliber.

Die Zwiebel aus der Saat braucht eine lange Saison, um den Ertrag aufzubauen und vor der Ernte noch abzureifen. Deshalb lässt sich eine verspätete Aussaat selten mit Düngung oder Bewässerung aufholen. Eine verlorene Woche bekommen wir nicht zurück.

Das Feld, vorbereitet für die Aussaat

Zwiebelsamen sind fein und werden flach abgelegt, deshalb muss die obere Schicht eben und feinkrümelig sein, ohne Kluten und Mulden. Auf einem unebenen Feld landet ein Teil der Körner zu tief, ein Teil zu flach, und der Auflauf kommt stufenweise.

Die Vorbereitung machen wir in festen Fahrgassen und führen die Traktoren mit GPS-Navigation mit RTK-Korrektur. Dadurch überlappen sich die Überfahrten nicht, wir verdichten einen kleineren Teil des Feldes, und die Saatreihen decken sich später mit den Fahrgassen für die Pflegemaßnahmen und für die Ernte.

Saatstärke, oder warum wir Körner zählen

Eine in Kilogramm angegebene Saatstärke sagt bei Zwiebeln wenig aus, denn die Körner unterscheiden sich in Tausendkornmasse und Keimfähigkeit. In der Praxis zählt deshalb die Zahl der Saatguteinheiten je Hektar und der angenommene Auflaufprozentsatz, nicht das Gewicht des Sacks.

Der Ausgangspunkt sieht so aus:

ZielbestandesdichteWas sie im Ertrag bringtTypische Verwendung
ca. 60 Pflanzen/m2mehr grobe Zwiebeln, weniger StückKaliber für Packbetriebe und Verkauf in Netzen
70-90 Pflanzen/m2hoher Anteil mittleres Kaliberhäufigster Kompromiss im gewerblichen Anbau
über 100 Pflanzen/m2feinere Zwiebeln, mehr StückKaliber für konkrete Bestellungen

Dazu kommt die Reserve für Feldverluste. Die Aussaatmenge stellen wir also höher ein als die angestrebte Bestandesdichte, denn ein Teil der Körner läuft nicht auf und ein Teil der Pflanzen fällt im Lauf der Saison aus.

Warum die Bestandesdichte über das Kaliber entscheidet

Der Zusammenhang ist einfach und wirkt in beide Richtungen. Je dichter die Pflanzen stehen, desto weniger Platz, Wasser und Licht entfällt auf eine Zwiebel, also werden die Zwiebeln feiner, dafür sind es mehr. Je dünner der Bestand steht, desto gröber die Ware, aber desto weniger Stück je Hektar.

Deshalb stellen wir die Bestandesdichte nicht auf den maximalen Ertrag ein, sondern auf das, was die Abnehmer brauchen. Das Kaliber ist das Erste, wonach ein Packbetrieb und ein Verarbeitungswerk fragen, und die Unterschiede zwischen den Verwendungen beschreiben wir im Beitrag darüber, welches Zwiebelkaliber in die Verarbeitung geht. Wie viel davon in Tonnen herauskommt, zeigen wir wiederum im Beitrag darüber, wie viel Zwiebeln ein Hektar bringt.

Gleichmäßige Zwiebelreihen auf einem Feld in den Żuławy, zwischen den Reihen liegt der Boden offen
Gleichmäßiger Auflauf aus der Einzelkornsaat, so sieht das Feld einige Wochen nach der Aussaat aus.

Einzelkornsämaschine statt gewöhnlicher Drillmaschine

Eine gleichmäßige Bestandesdichte gelingt nur, wenn jedes Korn in dieselbe Tiefe und in gleichen Abständen kommt. Eine gewöhnliche Drillmaschine schafft das nicht, deshalb säen wir Zwiebeln mit einer Einzelkornsämaschine, die einzelne Körner ablegt und keinen Saatstrom.

Auf drei Dinge achten wir bei jeder Überfahrt:

  • Die Tiefe, denn Zwiebelsamen sind fein und schaffen es aus einer tiefen Ablage nicht heraus.
  • Die Gleichmäßigkeit in der Reihe, denn Pflanzennester geben feine Ware und Lücken verschenken Fläche.
  • Die Arbeitsgeschwindigkeit, denn Eile bei der Aussaat sieht man danach die ganze Saison.

Der zweite Weg: Steckzwiebeln

Die Aussaat von Samen ist nicht der einzige Weg. Einen Teil der Fläche führen wir aus Steckzwiebeln, also aus kleinen Zwiebeln, die statt Samen gesteckt werden, was eine frühere Ernte bringt und uns schon im Sommer auf den Markt lässt. Wie das in der Praxis aussieht, beschreiben wir im Beitrag über den Anbau von Steckzwiebeln. Zwei Wege nebeneinander sind der Grund, warum wir Zwiebeln das ganze Jahr über haben und nicht nur nach der Ernte.

Was der Abnehmer davon hat

Die Planung beginnt bei uns im Frühjahr an der Sämaschine und endet im Herbst am Sortierer. Wenn wir rechtzeitig wissen, welche Kaliber gebraucht werden, können wir die Bestandesdichte auf einem Teil der Fläche danach einstellen, statt zu sortieren, was eben herauskommt.

Verfügbare Kaliber und Verpackungen haben wir im Zwiebelangebot zusammengestellt. Bestellungen für die nächste Saison melden Sie am besten früh an, über die Kontaktseite, dann berücksichtigen wir sie noch bei der Planung der Aussaat.

Häufige Fragen

Wann sät man Zwiebeln?

Zwiebeln aus der Saat sät man im zeitigen Frühjahr, bei uns meist im April, wenn der Boden abgetrocknet und so weit erwärmt ist, dass der Auflauf gleichmäßig wird. Den Termin bestimmt der Zustand des Feldes und nicht das Datum im Kalender.

Wie hoch ist die Saatstärke bei Zwiebeln?

Die Saatstärke rechnet man in Saatguteinheiten je Hektar und nicht in Kilogramm, denn die Körner unterscheiden sich in Masse und Keimfähigkeit. Man stellt sie so ein, dass nach Abzug der Feldverluste die geplante Bestandesdichte herauskommt.

Wie viele Zwiebelpflanzen sollen auf einem Quadratmeter wachsen?

Im gewerblichen Anbau zielt man meist auf 60-100 Pflanzen je Quadratmeter. Eine geringere Bestandesdichte gibt gröbere Zwiebeln, eine höhere feinere, dafür zahlreichere.

Wirkt sich die Bestandesdichte auf das Kaliber der Zwiebel aus?

Ja, sie ist einer der Hauptfaktoren. Eine dichtere Saat bedeutet weniger Platz je Pflanze und feinere Ware, eine dünnere gibt ein größeres Kaliber bei weniger Stück.

Kann man Zwiebeln in einem bestimmten Kaliber bestellen?

Ja. Das Kaliber wählen wir beim Sortieren, und bei früher Anmeldung des Bedarfs können wir ihn schon bei der Planung der Aussaat berücksichtigen.

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