Falscher Mehltau ist im feuchten Klima die gefährlichste Blattkrankheit der Zwiebel und kostet in Jahren mit starkem Druck Erträge im zweistelligen Prozentbereich. Er entwickelt sich in kühlen, nassen Nächten, und sichtbar wird er erst dann, wenn der Erreger schon über zehn Tage im Bestand arbeitet. Wir bauen rund 250 Hektar Zwiebeln in Żuławy (Weichselwerder) an, wo Nebel und Tau normal sind, deshalb ist diese Krankheit für uns ein fester Punkt im Plan und keine Überraschung.
Was falscher Mehltau an Zwiebeln ist
Der Verursacher ist Peronospora destructor, ein pilzähnlicher Organismus aus der Gruppe der Eipilze, näher mit den Algen verwandt als mit den echten Pilzen. Das ist eine praktisch wichtige Information, denn Eipilze brauchen zur Entwicklung Wasser in flüssiger Form: Tau, Nebel oder eine Regenschicht auf dem Blatt. Ohne nasse Blätter startet die Infektion nicht, selbst wenn sehr viele Sporen in der Luft sind.
Die Symptome sehen wir am Laub, denn dort sporuliert der Erreger. Die Zwiebel selbst fault nicht direkt am Mehltau, aber der Befall kann systemisch in die Pflanze gehen und überwintert dann in der Zwiebel oder in der Steckzwiebel. Das Ergebnis zeigt sich bei der Ernte und im Lager: Eine Pflanze mit geschädigtem Blattapparat legt an der Zwiebel keine Masse mehr zu, die Partie fällt also feiner aus, ist schlechter ausgeglichen und hat einen schwächer geschlossenen Hals. Das wiederum öffnet der Halsfäule der Zwiebel den Weg, die sich erst im Lager zeigt.
Wann falscher Mehltau gefährlich wird
Falscher Mehltau arbeitet nicht bei jedem Wetter. Er hat sein Fenster, und dieses Fenster lässt sich vorhersagen, denn es hängt von der Temperatur ab und davon, wie lange das Blatt nass bleibt.
| Bedingungen im Bestand | Was der Erreger macht |
|---|---|
| Nächte mit Nebel oder Tau, 10-14°C, Luftfeuchtigkeit nahe 100 Prozent | sporuliert am stärksten, die Infektion läuft mit voller Kraft |
| Warmer, windiger Tag, die Blätter trocknen schnell ab | die Sporen sterben schnell ab, das Risiko sinkt |
| Kälte unter wenigen Grad | die Sporulation kommt praktisch zum Erliegen |
| Dichter, üppiger Bestand nach einer zu hohen Stickstoffgabe | die Blätter bleiben lange nass, das Risiko steigt trotz gutem Wetter |
Die für uns schlechteste Kombination ist ein warmer Tag und eine kühle, neblige Nacht, also typisches Wetter von Juni bis zur Ernte in Żuławy. Ein warmer, windiger Tag schadet für sich genommen nicht; das Problem beginnt, wenn danach eine lange, nasse Nacht kommt. Dann bleibt das Blatt einige Stunden nass, der Erreger sporuliert, und am Morgen trägt der Wind die Sporen über die Plantage.
Woran wir den Mehltau auf dem Feld erkennen
Das erste Signal sind keine Flecken, sondern einzelne Pflanzen, die aus dem Bestand herausfallen: blasser, niedriger, mit leicht verbogenem Laub. Das sind primär befallene Pflanzen, meist aus infiziertem Material. Um sie herum entsteht nach gut zehn Tagen ein Krankheitsherd.
- Ovale, aufhellende Flecken am Laub, längs des Blattes gezogen, anfangs ohne scharfe Grenze.
- Grauvioletter Belag auf den Flecken, am besten morgens zu sehen, wenn die Blätter noch nass sind. Das ist die Sporulation des Erregers.
- Vergilben und Umknicken der Blätter an der Stelle des Flecks, beginnend bei den älteren, unteren Blättern.
- Dunkelwerden des befallenen Gewebes, wenn auf das geschwächte Blatt sekundär Pilze gehen, die Schwärze verursachen.
Die Symptome erscheinen mit Verzögerung, meist gut zehn Tage nach der Infektion, und die weiteren Sporulationszyklen folgen dann alle paar Tage. Deshalb kontrollieren wir die Felder regelmäßig und schauen beim Wetter nach vorn, statt auf den ersten sichtbaren Belag zu warten. Mehr über die übrigen Gefahren schreiben wir in der Übersicht über Krankheiten und Schädlinge der Zwiebel.
Woher die erste Infektion kommt
Der Erreger kommt nicht aus dem Nichts. Er überwintert als Myzel in befallenen Zwiebeln und in Steckzwiebeln, Dauersporen bleiben in den Ernterückständen, und im Frühjahr reichen ein paar Pflanzen aus so einer Quelle, damit eine Lawine losgeht. Dazu kommen Sporen, die der Wind von benachbarten Plantagen bringt, auch aus Gärten und von Abfallhaufen.
Der häufigste Weg der Krankheit auf die Plantage sind infiziertes Material und Durchwuchs aus der Vorsaison. Gesunde Steckzwiebeln und Zwiebelreste, die an der Oberfläche trocknen und unter die Bodenbearbeitung gehen statt auf einen Haufen neben dem Feld, bringen für den Pflanzenschutz mehr als jede Maßnahme, die erst nach dem Ereignis kommt.
Wie wir dem Mehltau in Żuławy vorbeugen
Unser Pflanzenschutz beginnt lange vor der ersten Maßnahme. Es geht darum, dass der Erreger möglichst wenige Gelegenheiten bekommt und der Bestand möglichst kurz nass bleibt.
- Fruchtfolge. Zwiebeln kommen erst nach mehreren Saisons mit anderen Kulturen auf dasselbe Feld zurück, und die Reste gehen in die Verrottung, nicht auf einen Haufen neben dem Feld. Wie wir die Rotation aufbauen, beschreiben wir im Beitrag über die Fruchtfolge im Zwiebelanbau.
- Gesundes Material und ein gleichmäßiger Bestand. Wir säen und pflanzen mit GPS-Navigation und RTK-Korrektur, die Reihen stehen also gerade und der Bestand bleibt luftig. Ein verdichteter, ungleichmäßiger Bestand hält die Feuchtigkeit deutlich länger.
- Trockener Fuß und Durchlüftung. Auf schweren Marschböden muss das Wasser abfließen können. Funktionierende Gräben und Drainage bedeuten weniger Nebel über dem Boden und schneller abtrocknende Blätter, worüber wir im Text über Melioration und Entwässerung der Felder in Żuławy schreiben.
- Beregnung mit Verstand. Wasser geben wir so, dass die Blätter Zeit zum Abtrocknen haben, denn lange nasses Laub bietet dem Erreger die besten Bedingungen.
- Monitoring und Risikofenster. Über eine Maßnahme entscheiden der Wetterverlauf und das, was wir bei der Feldkontrolle sehen, nicht der Kalender. Die Feldkontrolle dient uns dazu, primäre Befallsherde zu finden und zu prüfen, ob der Schutz gewirkt hat. Wir spritzen nicht routinemäßig jede Woche.

Wir achten auch auf den Stickstoff. Überdüngte Zwiebeln bilden einen üppigen, dunkelgrünen Bestand, der stattlich aussieht, aber langsamer trocknet und länger nass bleibt. Deshalb bemessen wir die Stickstoffgaben nach dem realen Bedarf des Bestands und nicht nach dem Aussehen des Feldes.
Was der Mehltau für den Zwiebelabnehmer bedeutet
Für Packbetrieb und Verarbeitung ist falscher Mehltau keine anbautechnische Kuriosität, sondern eine Frage der Haltbarkeit der Ware. Eine Plantage, auf der die Krankheit unkontrolliert durchgelaufen ist, liefert feinere Zwiebeln mit schlechter geschlossenem Hals, die im Lager schneller verderben. Eine Partie von so einem Feld kann am Tag der Abnahme gut aussehen und nach zwei Monaten Lagerung auseinanderfallen.
Deshalb beginnt der Kampf um haltbare Zwiebeln auf dem Feld und endet beim Nachtrocknen über 2-4 Tage und in einem kontrollierten Lager. Die Arbeit für die nächste Saison beginnt übrigens gleich nach der Ernte: Die Reste trocknen an der Oberfläche und gehen unter die Bodenbearbeitung, den Standort wählen wir fern der letztjährigen Zwiebeln, und wir achten auf gesundes Material für die nächste Aussaat und Pflanzung. Diese ganze Kette beschreiben wir im Leitfaden darüber, wie wir Zwiebeln in Żuławy anbauen. Sorten und Lieferformen finden Sie im Zwiebelangebot, und für Ware für Packbetrieb oder Verarbeitung schreiben Sie uns.






