Anbau

Zwiebelernte mit dem Roder Schritt für Schritt: So machen wir es in Żuławy

Wie läuft die Zwiebelernte mit dem Roder ab? Schritt für Schritt: Roden mit dem Grimme WV 180, Abtrocknen im Schwad, Ernte mit dem AVR Puma 3 mit bis zu 150 t/h und Abtransport ins Lager.

Agro-Malz23. Juli 20266 Min. Lesezeit
Blick von oben auf den Roder AVR Puma 3 mit vollem Bunker Zwiebeln bei der Ernte aus dem Schwad

Die Zwiebelernte mit dem Roder ist keine einzelne Überfahrt, sondern ein Prozess in zwei Etappen: Zuerst müssen die Zwiebeln gerodet und zum Abtrocknen im Schwad abgelegt werden, erst dann holen wir sie vom Feld. Wir machen das jedes Jahr auf rund 250 Hektar Zwiebeln in Żuławy (Region Żuławy in Nordpolen, das Weichseldelta), mit eigener Technik und eigenen Leuten. In diesem Beitrag zerlegen wir die ganze Ernte in einzelne Schritte: von der ersten Fahrt des Schwadlegers bis zu dem Moment, in dem die Zwiebeln im Lager ankommen.

Warum die Zwiebelernte zwei Etappen hat

Zwiebeln direkt aus dem Boden eignen sich weder für den Transport noch für die Lagerung. Die Schale ist feucht, der Zwiebelhals offen, dazu kommen Laubreste, und jede dieser Stellen ist ein offenes Tor für Lagerkrankheiten. Deshalb müssen die Zwiebeln zwischen dem Roden und der eigentlichen Ernte auf dem Feld abtrocknen.

Die zweistufige Ernte gibt ihnen dafür Zeit. Die gerodeten Zwiebeln liegen im Schwad auf der Feldoberfläche, Wind und Sonne schließen den Hals und trocknen die Schale, erst dann fährt der Roder. Das Ergebnis zeigt sich erst Monate später: Zwiebeln, die im Feld abgetrocknet sind, liegen einfach besser im Lager. Das ganze Anbaujahr, das zu diesem Moment führt, beschreiben wir im Leitfaden zum Zwiebelanbau in Żuławy.

Schritt 1: Roden und Ablegen im Schwad

Die erste Fahrt gehört dem Schwadleger. Bei uns ist das der angebaute Grimme WV 180, eine Maschine mit 180 cm Arbeitsbreite. Das Rodeschar hebt die Zwiebeln zusammen mit einem schmalen Erdstreifen an, die Siebketten trennen die Erde ab, und die Zwiebeln kommen zurück aufs Feld, abgelegt in einem gleichmäßigen Schwad. Das ist kein Laubschneider, der Schwadleger schneidet nichts, er nimmt die Zwiebeln nur schonend auf und legt sie zum Abtrocknen ab.

Gleichmäßige Schwaden sind keine Frage der Ästhetik, sondern die Voraussetzung für eine zügige Ernte. Der Roder fährt später genau in ihrer Spur, deshalb nutzen wir schon in dieser Phase die Parallelführung mit GPS-Signal und RTK-Korrektur. Die Überfahrten sind gerade und wiederholbar, und die Schwaden liegen dort, wo sie liegen sollen.

Schritt 2: Abtrocknen im Schwad

Nach dem Roden bleiben die Zwiebeln auf dem Feld, in der Regel einige Tage bis etwa zwei Wochen, je nach Wetter. In dieser Zeit schließt sich der Hals, die Schale härtet aus und bekommt ihre Farbe, die Erdreste trocknen ab und fallen von selbst ab. In Żuławy, im Meeresklima, braucht dieser Schritt Geduld: Die feuchte Luft trocknet langsamer als im Landesinneren, dafür baut die kühlere Vegetation eine feste, gut ausgefärbte Zwiebel auf.

Das Wetter kann diesen Plan durchkreuzen. Wir beobachten die Schwaden täglich und legen den Termin der eigentlichen Ernte in ein Wetterfenster: Die Zwiebeln müssen trocken sein, denn nasse Ware ist der direkte Weg zu Verlusten im Lager.

Wenn das Wetterfenster kurz ist, ernten wir auch nachts. Der Roder hat Arbeitsbeleuchtung, und die GPS-Parallelführung hält die Maschine im Schwad, egal zu welcher Tageszeit. Entscheidend ist, die trockenen Zwiebeln einzufahren, bevor der Regen zurückkommt.

Schritt 3: Die eigentliche Ernte mit dem AVR Puma 3

Die Ernte aus dem Schwad übernimmt bei uns der selbstfahrende Roder AVR Puma 3: eine 4-reihige Maschine mit Volvo-Motor mit 469 PS und einem Bunker für 8 Tonnen. Die Schwadaufnahme hebt den Schwad von der Feldoberfläche, Siebbänder trennen Erdreste und lose Schalen ab, und die sauberen Zwiebeln wandern in den Bunker. Bei guten Bedingungen nehmen wir zwei Schwaden auf einmal auf und schaffen bis zu 150 Tonnen Zwiebeln pro Stunde.

Diese Leistung zählt, denn bei Erträgen von rund 60 Tonnen pro Hektar ist jeder Tag mit gutem Wetter Gold wert. Eine schnelle Ernte bedeutet weniger Risiko, dass der Regen die abgetrockneten Zwiebeln erwischt. Hier die wichtigsten Zahlen der ganzen Erntekette an einem Ort.

EtappeMaschineWichtigste Parameter
Roden und SchwadlegenGrimme WV 180Arbeitsbreite 180 cm, Ablegen im Schwad
Abtrocknen im Feldohne Maschineeinige Tage bis etwa zwei Wochen, je nach Wetter
Eigentliche ErnteAVR Puma 3Volvo 469 PS, Bunker 8 t, bis zu 150 t/h
Abtransport vom FeldJohn Deere 6930 Premium + Wielton tridemÜberladen während der Fahrt, Schutzplanen gegen Druckstellen
Nach der ErnteLagerNachtrocknen 2 bis 4 Tage, Lagerung bis 13 000 t

Die ganze Technik, mit der wir arbeiten, von den Fendt-Traktoren bis zum optischen Sortierer, zeigen wir in unserem Maschinenpark.

Schritt 4: Überladen während der Fahrt und Abtransport

Der Roder hält zum Entladen nicht an. Wenn der Bunker voll ist, fährt nebenan der John Deere 6930 Premium mit dem Tridem-Anhänger von Wielton heran, und die Zwiebeln werden während der Fahrt überladen. Die Ernte läuft ohne Stillstand, und wir verlieren kein Wetterfenster an die Logistik.

In dieser Phase zählt vor allem Behutsamkeit. Zwiebeln sehen hart aus, aber jede Druckstelle ist ein Punkt, an dem sie im Lager zu faulen beginnen können. Deshalb befüllen wir den Anhänger von vorn, halten die Fallhöhe der Ware niedrig und fahren die Zwiebeln unter Schutzplanen gegen Druckstellen. Die Qualität einer Partie entsteht genau hier, auf dem Feld, nicht erst beim Sortieren.

Schritt 5: Nachtrocknen und Lager

Vom Feld gehen die Zwiebeln direkt ins Lager. Dort kommen sie in belüftete Lagerung und werden 2 bis 4 Tage nachgetrocknet: Wir schließen die Hälse und nehmen der Ware die restliche Feuchtigkeit, die das Feld nicht geschafft hat. Wie genau das abläuft, beschreiben wir im Beitrag zum Nachtrocknen von Zwiebeln vor der Lagerung.

Erst trockene Zwiebeln gehen in die eigentliche Lagerung. Unser Lager fasst rund 13 000 Tonnen, wir müssen also nicht alles direkt nach der Ernte verkaufen: Wir sortieren, fraktionieren und geben die Ware das ganze Jahr über partienweise ab, in der Form, die zum Abnehmer passt.

Häufige Fragen

Wie erntet der Roder Zwiebeln?

In zwei Etappen. Zuerst rodet der Schwadleger die Zwiebeln und legt sie zum Abtrocknen im Schwad ab, nach einigen Tagen bis etwa zwei Wochen nimmt der selbstfahrende Roder die Schwaden auf, siebt die Erde ab und sammelt die sauberen Zwiebeln im Bunker.

Wie viele Zwiebeln erntet der Roder pro Stunde?

Unser selbstfahrender AVR Puma 3 schafft bei guten Bedingungen bis zu 150 Tonnen Zwiebeln pro Stunde und nimmt dabei zwei Schwaden auf einmal auf. Der Bunker der Maschine fasst 8 Tonnen, entladen wird während der Fahrt, ohne anzuhalten.

Warum liegen die Zwiebeln vor der Ernte im Schwad?

Zum Abtrocknen. Im Schwad schließt sich der Zwiebelhals, die Schale härtet aus und färbt sich, die Erde trocknet ab und fällt ab. Zwiebeln, die im Feld abgetrocknet sind, sind widerstandsfähiger gegen Krankheiten und lagern deutlich besser.

Kann man Zwiebeln nachts ernten?

Ja, wir machen das, wenn das Wetterfenster kurz ist. Der Roder hat Arbeitsbeleuchtung, und die Parallelführung mit GPS und RTK-Korrektur hält die Maschine auch im Dunkeln genau im Schwad.

Was unterscheidet den Schwadleger vom Zwiebelroder?

Der Schwadleger, bei uns der Grimme WV 180, rodet die Zwiebeln und legt sie im Schwad ab, holt sie aber nicht vom Feld. Der Roder, bei uns der AVR Puma 3, nimmt die abgetrockneten Schwaden auf und sammelt die Zwiebeln im Bunker. Zwei Maschinen für zwei Etappen derselben Arbeit.


Sie suchen Zwiebeln, die so geerntet und nachgetrocknet sind, dass sie eine lange Lagerung durchstehen? Sehen Sie sich unser Zwiebel-Angebot an oder schreiben Sie uns über die Kontaktseite. Wir arbeiten das ganze Jahr über mit Großabnehmern.

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